Interview: Heilpädagogin über digitales Mathe-Lernen
Praktische Einblicke aus 15 Jahren Förderarbeit
Über die Gesprächspartnerin
Wir sprechen mit einer erfahrenen schulischen Heilpädagogin, die seit 15 Jahren Kinder mit Rechenschwäche mit Apps üben und anderen Lernbesonderheiten fördert. Sie arbeitet an einer Lern-App für Primarschule im Kanton Zürich und setzt seit drei Jahren digitale Lerntools in ihrer Arbeit ein.
Das Gespräch
Was hat Sie dazu bewogen, digitale Lerntools in Ihre Förderarbeit zu integrieren?
Anfangs war ich skeptisch. Ich dachte, Kinder brauchen den direkten Kontakt, das Material zum Anfassen. Das stimmt auch weiterhin. Aber ich habe gemerkt, dass digitale Tools eine wichtige Ergänzung sind. Besonders bei Kindern, die zu Hause wenig Unterstützung bekommen. Eine gute App übt mit dem Kind, auch wenn ich nicht da bin.
Welche Eigenschaften muss eine Lernapp haben, damit sie in der Heilpädagogik funktioniert?
Erstens: Sie muss sich anpassen. Jedes Kind ist anders. Eine App, die allen Kindern die gleichen Aufgaben gibt, nützt mir nichts. Zweitens: Keine Zeitbegrenzung. Viele meiner Kinder brauchen länger. Zeitdruck erzeugt Stress und blockiert. Drittens: Ich muss sehen können, wo das Kind steht. Detaillierte Statistiken, die mir zeigen, welche Kompetenzen fehlen.
Wie reagieren die Kinder auf das digitale Üben?
Überraschend positiv. Viele meiner Förderkinder haben negative Erfahrungen mit Mathe. Die rote Tinte im Heft, der Vergleich mit Mitschülern. Bei einer App ist das anders. Das Kind arbeitet in seinem Tempo, bekommt sofort Feedback, sammelt Punkte. Das motiviert ungemein. Ein Junge, der vorher jede Mathe-Aufgabe verweigert hat, fragt jetzt aktiv, ob er mit der App üben darf.
Sehen Sie auch Risiken beim digitalen Lernen?
Ja, wenn es falsch eingesetzt wird. Eine App ersetzt nicht die Beziehung, das Gespräch, das Verstehen-Wollen. Ich nutze die App als Werkzeug, nicht als Ersatz für meine Arbeit. Ausserdem muss die App pädagogisch durchdacht sein. Nicht jede bunte Kinderapp ist gut. Manche sind zu oberflächlich, haben zu viel Ablenkung, oder der didaktische Aufbau stimmt nicht.
Wie wählen Sie die richtige App aus?
Ich schaue auf mehrere Kriterien: Passt sie zum Schweizer Lehrplan? Kann ich individuelle Schwerpunkte setzen? Funktioniert sie offline, weil unser Schulnetz manchmal instabil ist? Gibt es einen Bereich für mich, wo ich den Fortschritt sehe? Und vor allem: Ist sie werbefrei? Kinder mit Konzentrationsproblemen können sich Ablenkung nicht leisten.
Welche Rolle spielen die Eltern?
Eine grosse. Ich empfehle Eltern oft, die gleiche App zu Hause zu nutzen, die wir in der Förderung verwenden. So kann das Kind nahtlos weiterüben. Wichtig ist, dass Eltern nicht daneben sitzen und jeden Fehler kommentieren. Die App gibt Feedback, das reicht. Eltern sollen loben, wenn das Kind übt, nicht korrigieren.
Haben Sie ein Beispiel, wo digitales Üben einen Unterschied gemacht hat?
Viele. Ein Mädchen mit diagnostizierter Dyskalkulie kam in der 3. Klasse zu mir. Sie hatte keine Mengenvorstellung, konnte nicht über den Zehner rechnen. Wir haben mit ganz basalen Übungen angefangen, parallel analog und digital. Nach einem Jahr täglichem Üben mit der App, zusätzlich zu unseren Förderstunden, hatte sie den Anschluss an die Klasse geschafft. Das wäre ohne die zusätzliche Übungszeit nicht möglich gewesen.
Was wünschen Sie sich von Lernapp-Entwicklern?
Dass sie mit uns sprechen. Mit Heilpädagogen, Förderlehrpersonen. Wir wissen, was Kinder mit Lernschwierigkeiten brauchen. Eine App, die von Pädagogen mitentwickelt wurde, merkt man. Der Aufbau stimmt, die Darstellung ist klar, die Progression ist durchdacht. Ich wünsche mir mehr davon.
Ihr Fazit: Digitales Lernen in der Heilpädagogik?
Ein wertvolles Werkzeug, wenn es richtig eingesetzt wird. Nicht statt, sondern zusätzlich zur persönlichen Förderung. Die Kombination aus beidem ist am effektivsten. Und für viele Kinder ist die App der Weg, endlich positive Erfahrungen mit Mathe zu machen. Das ist unbezahlbar.
Zusammenfassung der Kernaussagen
- Digitale Lerntools ergänzen, ersetzen aber nicht die persönliche Förderung
- Wichtige Kriterien: Adaptivität, kein Zeitdruck, detaillierte Statistiken
- Kinder mit negativen Mathe-Erfahrungen profitieren besonders von der stressfreien App-Umgebung
- Eltern sollten die gleiche App nutzen wie in der Schule
- Apps sollten von Pädagogen mitentwickelt sein
- Kombination aus analogem und digitalem Üben ist am effektivsten
Lernland in der Heilpädagogik
Lernland wurde von Anfang an mit Heilpädagogen entwickelt. Die App bietet adaptive Schwierigkeitsanpassung, arbeitet ohne Zeitdruck, und liefert detaillierte Statistiken für Fachpersonen. Sie funktioniert vollständig offline und ist komplett werbefrei. Für schulische Heilpädagogen, IF-Lehrpersonen und Therapeuten ist Lernland ein bewährtes Werkzeug in der täglichen Förderarbeit.