Aus der Praxis

„Endlich sehe ich sofort, wo es hakt"

Heilpädagogin Sarah M. über ihren Alltag mit Lernland

· · 8 Min. Lesezeit

Sarah M. (34) arbeitet seit acht Jahren als schulische Heilpädagogin im Kanton Zürich. Sie betreut Kinder mit Förderbedarf an drei verschiedenen Schulhäusern. Wir haben mit ihr über ihren Alltag, ihre Herausforderungen und ihre Erfahrungen mit digitalen Tools gesprochen.

Lernland: Sarah, du arbeitest mit vielen Kindern an verschiedenen Schulen. Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Sarah: Chaotisch! (lacht) Nein, im Ernst – ich starte morgens an der einen Schule, habe dort drei Kinder in zwei verschiedenen Klassen. Dann fahre ich zur nächsten Schule für zwei weitere Kinder. Nachmittags bin ich wieder woanders. Ich muss sehr gut organisiert sein, sonst verliere ich den Überblick.

Lernland: Das klingt anspruchsvoll. Was war vor Lernland deine grösste Herausforderung?

Sarah: Ehrlich? Das Hin und Her mit den Klassenlehrpersonen. Ich komme in eine Klasse, arbeite 45 Minuten mit einem Kind, und dann ist Schluss. Was das Kind in der restlichen Woche im Mathe-Unterricht macht, erfahre ich oft nur bruchstückhaft. „Ach ja, der Tim hat gestern bei der Subtraktion Probleme gehabt" – aber welche genau? Keine Ahnung.

Lernland: Und wie hat sich das mit Lernland verändert?

Sarah: Komplett. Ich öffne die App, sehe sofort: Tim hat diese Woche 47 Aufgaben im Zehnerübergang üben gemacht, davon 28 falsch. Und ich sehe genau welche – 8+5 wird immer zu 12 statt 13. Da weiss ich: Die Zerlegungsstrategie sitzt noch nicht. Das spare ich mir das ganze Rumfragen.

Lernland: Nutzt du Lernland auch direkt in deinen Förderstunden?

Sarah: Ja, aber nicht ausschliesslich. Ich nutze es als Einstieg – das Kind zeigt mir, was es gemacht hat, wir schauen zusammen auf die Kronen. Das ist ein super Gesprächsanlass. Dann arbeiten wir oft mit konkretem Material – Zehnerstäben, Plättchen. Und am Ende nochmal 10 Minuten Lernland, um das Gelernte zu festigen.

Lernland: Wie reagieren die Kinder auf die App?

Sarah: Die lieben das. Ehrlich, manche Kinder kommen in meine Stunde und fragen sofort: „Dürfen wir heute Lernland machen?" Das war früher mit Arbeitsblättern definitiv anders. (lacht) Besonders das Münzen-Sammeln und die Kronen – da leuchten die Augen.

Lernland: Gibt es auch kritische Stimmen?

Sarah: Klar, am Anfang waren manche Klassenlehrpersonen skeptisch. „Noch eine App, noch was Neues lernen." Aber wenn sie sehen, wie viel einfacher die Kommunikation wird und dass sie weniger differenziertes Material vorbereiten müssen, dreht sich das schnell.

Lernland: Was würdest du dir noch wünschen?

Sarah: Mehr Deutsch-Aktivitäten! Viele meiner Kinder haben nicht nur Mathe-Schwierigkeiten. Da gibt es zwar schon einiges – Silben, Artikel – aber da geht noch mehr. Und vielleicht irgendwann auch Geometrie, das kommt bei einigen Kindern zu kurz.

Lernland: Letzte Frage: Was würdest du Kolleginnen und Kollegen sagen, die überlegen, Lernland einzusetzen?

Sarah: Einfach ausprobieren. Im Ernst, die Einarbeitung ist minimal, der Nutzen riesig. Und vor allem: Es ersetzt nicht unsere Arbeit, es macht sie besser. Ich bin immer noch die, die erklärt, begleitet, fördert. Aber ich weiss jetzt viel genauer, wo ich ansetzen muss.

Über Sarah M.

Sarah M. ist schulische Heilpädagogin (MA) und arbeitet seit 2018 an Primarschulen im Kanton Zürich. Sie betreut aktuell 14 Kinder mit verschiedenen Förderbedürfnissen in der integrativen Förderung (IF). Neben ihrer praktischen Arbeit engagiert sie sich in der Weiterbildung von Lehrpersonen zum Thema digitale Tools in der Heilpädagogik-Einsatz.

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